100 Jahre Paneuropa-Union in Nürnberg, Ronsperg und Straßburg

Das hätte Richard Coudenhove-Kalergi, den Gründer der Paneuropa-Union (PEU), sicherlich gefallen: Dass sich zu seinen Ehren anlässlich des 100. Geburtstages dieser ältesten europäischen Einigungsbewegung eine solch illustre Schar von europäischer Internationalität ein Stelldichein gab. Aus 18 Ländern von Frankreich, Österreich und der Schweiz bis zum Balkan mit Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Menschen, die den alten Kontinent im Herzen tragen. Der historische Saal des Nürnberger Rathauses war daher der richtige Ort, dem Auftakt des viertägigen Jubiläums den gebührenden Rahmen zu geben.

Und die Erinnerung an den Gründer erwies sich mehr als aktuell, denn aus den Zitaten von Coudenhove-Kalergi, die Franziskus Posselt mit Stentorstimme vortrug, wurde deutlich, wie vorausschauend dieser „Prophet“ schon damals, 1922, den Hegemonismus von Russland einschätzte und davor warnte. Gleichfalls warb dieser Mann mit Weitsicht bereits für eine einheitliche europäische Währung, durchlässige Staatsgrenzen und, was noch zu vollziehen wäre, eine europäische Armee. Eingebunden waren diese Passagen in einer wunderschönen Musikrevue, u.a. mit Gassenhauern aus den Zwanziger Jahren, die Iris Marie Kotzian (Sopran) und Martin Dechet (Akkordeon) gestalteten. Dann ein erhebender Moment beim Festakt am Samstag, als unter Beteiligung des Böhmischen Volksmusikensembles Hess, die ukrainische Nationalhymne erklang und alle ergriffen lauschten, und mit dem Nachbarland, das einem schrecklichen Krieg ausgeliefert ist, eine symbolische Verbindung eingingen. Die Tragödie dieser blutigen Auseinandersetzung war auch ständiges Thema in fast allen Redebeiträgen und Zeremonien. Die in der Verpflichtung gipfelten, der Ukraine nun den Weg in die EU zu ebnen.

Als einer der vielen Höhepunkte offenbarte sich die Verleihung der Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille an Manfred Weber, den Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament bei der Auftaktveranstaltung am Freitag. Ihn bezeichnete Dr. h.c. Bernd Posselt, Vorsitzender der Paneuropa-Union Deutschland, als ein Vorbild für ein demokratisches Europa. Der Geehrte selbst: „Die Zusicherung des Kandidatenstatus für die Ukraine ist eine wichtige Botschaft. Wir müssen ebenso in der EU innere Reformen angehen und wegen des Krieges neu über europäische Strukturen nachdenken“.

Erneut war der historische Rathaussaal einen Tag später Kulisse für einen besonderen Ehrengast: Den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Der an die Paneuropa-Union ein dickes Lob verteilte: „Sie ist die erste und stärkste Friedensbewegung auf dem Kontinent und aktueller denn je gefragt. Dafür meinen ganz persönlichen Dank und ‚Happy Birthday’“. Die Botschaft von Paneuropa sei nicht nur eine europäische Idee, sondern eine an die ganze Welt. Söder rief Otto von Habsburg als großen Europäer besonders in Erinnerung. Und hatte ebenso für Bernd Posselt starke Worte übrig. „Du bist das osteuropäische Geschichtslexikon und Deine Kenntnisse sind unverzichtbar“. Posselt outete sich an allen vier Tagen als Fundgrube für Detailwissen, nannte die Jubiläumsfeier ein Podium für vielfache Zukunftsaufgaben, „der ewige Frieden ist nie ausgebrochen“. Seine Generalabrechnung mit Putin mündete in der Aussage, „wir müssen daraus lernen, was wir in den letzten 23 Jahren versäumt haben, den russischen Diktator daran hindern, Europa zu zersplittern. Und die demokratische Integration vorantreiben. Kriegsmüdigkeit aus Sicht von Europa darf kein Argument sein, die Freiheit zu vergessen.“

Ein Ausflug ins böhmische Ronsperg südlich von Pilsen war mehr als Pflicht, weil das Schloss dort der Ursprungsort der Europa-Idee ist. Die Feier im Festzelt davor stand ganz im Zeichen von Coudenhove-Kalergi, im abschließenden Gottesdienst in der außen heruntergekommenen, aber innen schön restaurierten Kirche, segnete der Pilsener Bischof Tomàs Holub zwei Fahnen der Paneuropa-Union Deutschland. An all den Tagen ergriffen weitere überzeugte europäische Persönlichkeiten das Wort: Wie der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König, der tschechische Europaminister Mikulaš Bek, Marian Svejda, Präsident der tschechischen Paneuropa-Union, Alain Terrenoire, ehemaliger Abgeordneter der Französischen Nationalversammlung und des Europaparlaments sowie internationaler Präsident der PEU, Prof. Dr. Pavo Barišic, internationaler Generalsekretär der Paneuropa-Union und Kultur- und Wissenschaftsminister a. D. von Kroatien. Eine Grußbotschaft sandte zudem die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Krönender Abschluss schließlich die Fahrt einer PEU-Delegation nach Straßburg ins Europaparlament. Wo wie drei Tage zuvor Manfred Weber der Österreicher Othmar Karas, Erster Vizepräsident des Parlaments, die Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille erhielt. Posselt würdigte ihn als „einen maßgeblichen Pionier der Parlamentarisierung und Demokratisierung der EU auf dem Weg zu einer europäischen Verfassung, die Coudenhove-Kalergi schon in seinem ersten Aufruf zur Einigung Europas vor 100 Jahren in der „Neuen Presse“ in Wien forderte“. Marlene Wolsky und Louis Kienle von der Paneuropa-Jugend überreichten die zuvor in Ronsperg geweihten Fahnen. Zahlreiche Repräsentanten des Diplomatischen Korps aus Europa, Mexiko und Japan, dem Heimatland der Mutter des Paneuropa-Gründers, waren dabei anwesend. Die Mammutaufgabe der Organisation solcher internationalen Tagungen lag einmal mehr bei Bundesgeschäftsführer Johannes Kijas und der Pressereferentin Stefanie Waldburg in besten Händen.

Von Kollegiumsmitglied Horst Wunner

Zum Foto: Präsident Dr. h.c. Bernd Posselt und Bundesgeschäftsführer Johannes Kijas umrahmen den neuen Träger der Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille, den EVP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber (Foto: Horst Wunner).

Anmerk. der Redaktion: Neben dem Autor des Artikels, unserem Kollegiumsmitglied Horst Wunner, dem von der Paneuropa-Union Deutschland (Tausend Dank!) die Möglichkeit gegeben wurde, diese besonderen Jubiläumsfeierlichkeiten vier Tage lang aus allererster Nähe mitzuverfolgen, zeigten am Wochenende zeitweise auch der FEK-Kuratoriumsvorsitzende Botschafter a. D. Karel Borůvka und FEK-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Otto ihre Verbundenheit mit dem Geburtstagskind.

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