Das EUROjournal pro management nutzte die Gelegenheit, bei den Paneuropa-Tagen am vergangenen Wochenende vor Ort zu sein, um ein Kurzinterview mit Dr. h.c. Bernd Posselt, Bundesvorsitzender der Paneuropa-Union Deutschland e.V., zu führen. Unser Kollegiumsmitglied Horst Wunner kam aber auch mit einer Reihe anderer Paneuropäer in Kontakt und befragte sie.

Herr Posselt, könnten Sie sich ein Europa ohne EU vorstellen und welches Szenario hätten wir dann?

Ich kann mir auch die Hölle vorstellen. Denn ein solches Europa würde über kurz oder lang in eine dunkle Zeit zurückführen, die wir Dank der Europäischen Union überwunden haben.

Wenn Sie auf 100 Jahre Paneuropa-Union zurückblicken, überwiegt da Wehmut über nicht Erreichtes oder Stolz über Erreichtes?

Der Stolz auf das Erreichte überwiegt. Danach kommt aber schon die Furcht, dass wir die schweren Aufgaben der Zukunft nicht meistern, wenn wir uns nicht sehr anstrengen.

Die Sopranistin Iris Marie Kotzian sang zum Auftakt des Jubiläums im historischen Nürnberger Rathaussaal auch das Lied „Je ne regrette rien“ (Ich bereue nichts). Was verbindet Sie mit dem weltbekannten Chanson der Edith Piaf im Hinblick auf die Geschichte der Paneuropa-Union, in der Sie schon Jahrzehnte eine führende Rolle haben?

Ich habe noch nie einen Tag bereut, seit ich mich vor 50 Jahren dieser Friedensbewegung angeschlossen und ihr fast mein ganzes bisheriges Leben gewidmet habe. Das möchte ich fortsetzen, so lange mir Gott die Kraft dazu gibt.

Dass die Paneuropa-Union auch an der Basis vertreten ist und treue Mitglieder hat, ist mit das Fundament für deren Erfolg. Zu ihr gehört seit längerer Zeit auch Olav Göhs aus Berlin. Der Referent für Außenpolitik in der CDU-Parteizentrale der Bundeshauptstadt gab zu der Frage, was einen überzeugten Europäer ausmacht, eine klare Antwort: „Ein richtiger Europäer sieht nicht nur sein eigenes Land, sondern auch die Gemeinsamkeit mit den anderen europäischen Ländern. Er hat ein weites Herz und ist neugierig auf andere Menschen und Kulturen. Gäbe es solche Leute nicht, würden wir wieder in alte Verhaltensmuster mit Krieg und Vertreibung zurückkehren. Nachdem Letzteres jedoch aktuell ist, zeigt, wie Putin tickt: Ein nationaler Imperialist, der überzeugte Europäer verachtet.“

Ganz neu dabei ist Martin Schielein. Der 53Jährige aus Miltenberg erklärte während des Besuchs des Europäischen Parlaments seinen Beitritt. „Ich bin durch Johannes Kijas auf die Paneuropa-Union aufmerksam gemacht worden anlässlich des 100. Geburtstages. Das löste mein Interesse aus“. Der Unternehmer, der im lokalen CSU-Arbeitskreis Umwelt und Energie sitzt, will sich für ein demokratisches Europa einsetzen, „damit wir nicht wieder in die Kleinstaaterei verfallen“. Europa sei für ihn auch Sicherheit und Wohlstand für die Europäer.

Von Kollegiumsmitglied Horst Wunner

Zum Foto: Vor der Büste Coudenhove-Kalergis in der „Ahnengalerie“ des Europarates im Straßburger Palais de l’Europe wurde Othmar Karas aus Wien, 1. Vizepräsident des Europäischen Parlaments (2. von links), mit der Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille ausgezeichnet. Mit im Bild (weiter nach rechts) Alain Terrenoire aus Paris, Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, und Bernd Posselt aus München, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland. Die Paneuropa-Fahnen trugen Marlene Wolsky und Louis Kienle von der Paneuropa-Jugend (Foto: Horst Wunner).

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