Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes auf Ansichtskarten
Der Bayerische Wald, gemeinsam mit dem Böhmerwald auch als „Grünes Dach Europas“ bekannt, steht im Zentrum eines opulenten Bildbandes von Richard Loibl. Der promovierte Historiker und Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte in Augsburg mit seinem großen Museum in Regensburg widmet sich in seinem jüngsten Werk der Kulturgeschichte des Bayerwaldes – erzählt anhand historischer Ansichtskarten. Auslöser war die Entdeckung einer umfangreichen Postkartensammlung zum Bayerischen Wald, in der Loibl das visuelle Archiv eines Schriftstellers erkannte. Ein persönliches Pendant fand er im Nachlass seines Vaters, womit sich wissenschaftliche Recherche und biografische Spurensuche auf eindrucksvolle Weise verbinden.
Dort, wo Natur noch Natur sein darf, wo das Wetter im „Woid“ stets durchwachsen ist und wo mehr als 130 Berggipfel über 1000 Meter hinausreichen, nimmt Richard Loibl seine Leser mit auf eine Entdeckungsreise um das Jahr 1900. Die Reise führt quer durch das scheinbar endlose Waldmeer, in eine „verlorene und vergessene Welt“, wie sie der Autor selbst beschreibt. Einst als „Bayerisch Sibirien“ verspottet, hat sich der Bayerische Wald mit seinem Nationalpark und heute über 20 Luftkurorten zu einem bedeutenden touristischen Anziehungspunkt entwickelt.

Das Buch „Grüße aus dem Wilden Osten“ ist weit mehr als eine Liebeserklärung an eine Region. Der aus Hengersberg stammende Autor verarbeitet in diesem außergewöhnlichen Werk auch eigene Kindheitserinnerungen und entwirft zugleich ein neues, facettenreiches Bild des Bayerwaldes mit seiner überwältigenden Natur. Rund 500 abgebildete Postkarten vermitteln den Eindruck einer Boom-Region um 1900; nahezu alle Orte des Bayerischen Waldes finden sich in dem prächtig gestalteten Band wieder. Der Bayerwald erscheint dabei als ein Raum, in dem Natur, Geschichte und menschliches Leben untrennbar miteinander verwoben sind. Zugleich wird seine enge Verflechtung mit der Donauregion und Südböhmen sichtbar.

Ein Blick ins Buch „Grüße aus dem WIlden Osten“ von Dr. Richard Loibl.
Als Niederbayern-Botschafter unternimmt Richard Loibl eine außergewöhnliche Geschichtsexkursion, die er in zwölf Kapiteln entfaltet. Thematisiert werden unter anderem der Bayerische Wald als Eldorado für Sommerfrischler, der Bau der Eisenbahn oder der heute vergessene Ort Oberbreitenau als „Lost Place“. Darüber hinaus erklärt Loibl, warum es im Wald mehr Burgen als Ritter gab – und weshalb Frauen Bäume pflanzten, während Männer sie fällten. So entsteht ein vielschichtiges, ebenso kenntnisreiches wie liebevolles Panorama einer Region, deren Geschichte bis heute nachwirkt.
Von Kollegiumsmitglied Hans-Peter Weiß
Anmerkung der Redaktion: Das Buch „Grüße aus dem Wilden Osten“, erschienen im Verlag Friedrich Pustet, hat 320 Seiten und ist überwiegend farbig bebildert. Einführungspreis bis 28.02.26: 39 Euro. Danach: 49 Euro.
