Res Publica und die Rückkehr zur politischen Mündigkeit

Es gibt eine unbequeme Wahrheit, die in den Konferenzsälen Brüssels, Berlins und Straßburgs seit Jahren beschwiegen wird: Europa hat sich abgerüstet — nicht nur militärisch, sondern geistig.
Drei Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg glaubte der Kontinent, Geschichte sei besiegt. Daraufhin wurde die Friedensdividende verfrühstückt, Handel mit Sicherheit verwechselt, Moralrhetorik mit Außenpolitik verschwurbelt.
Deutschland, das Paradebeispiel dieses Irrwegs, machte sich von russischem Gas abhängig, legte seine industrielle Zukunft in chinesische Hände, und erklärte geopolitische Naivität zur Tugend. Wandel durch Handel. Aus der Rückschau des Jahres 2026 klingt das wie ein schlechter Scherz.
Russland führt Krieg in Europa. China kauft weltweit Häfen, Lieferketten und politischen Einfluss. Die USA schauen nach innen und in den Indo-Pazifik. Und Europa? Europa beschwört die „regelbasierte internationale Ordnung“ — obwohl diese Regeln längst nur noch von jenen zitiert werden, die weder in der Lage sind, sie zu setzen, noch, sie durchzusetzen.
Soft Power is no Power — unless you can defend it.
Genau in diesem Moment: An diesem historischen Scheideweg, an dem postheroische Saturiertheit und geopolitische Realität frontal aufeinanderprallen, gründet sich in Deutschland ein Think Tank, der ausspricht, was viele denken, aber zu wenige sagen: Res Publica.

Mit Sitz in Frankfurt und bewusst außerhalb des Berliner Blasenbetriebs positioniert, versteht sich Res Publica als intellektuelles Rückgrat für jene, die weder im woken Absolutismus links noch im nationalpopulistischen Reflex rechts eine Heimat finden. Bürgerlich-konservatives Denken, geerdet in Realismus, zukunftsorientiert, europäisch — aus Prinzip Zukunft, wie das Motto lautet. Kein Appell, sondern ein Anspruch. Das geopolitische Kernproblem, dem sich Res Publicas RP Global widmet, ist auch das Kernproblem des europäischen Projekts: der Widerspruch zwischen normativen Ambitionen und strategischer Handlungsunfähigkeit. Die EU spricht von „strategischer Autonomie“ — und ist bei Energie, Verteidigung und Schlüsseltechnologien nach wie vor fremdabhängig. Die USA trugen noch 2024 den Löwenanteil der NATO-Militärausgaben. Ohne amerikanische Munition und Geheimdienstdaten hätte die Ukraine wohl nicht überlebt. Europa applaudiert dem Mut… und subventioniert ihn kaum.
Das ist keine Kritik an Europa als Idee. Es ist eine Kritik an Europa als Projekt, das seinen eigenen Ansprüchen nicht (mehr) genügt.
Res Publica arbeitet dort, wo die Bundesrepublik am verwundbarsten ist: an der Schnittstelle von strategischer Blindheit, wirtschaftlicher Selbstschwächung und kultureller Orientierungslosigkeit. Vier Policy Labs stellen das Gerüst von RP: Geopolitik, Wirtschaft, Gesellschaftlicher Zeitgeist, Bildung & Innere Sicherheit. Diese werden aktiv gestaltet: nicht durch Kommentatoren des Niedergangs, sondern durch Architekten des Auswegs.
Wer Deutschlands Abhängigkeiten kartieren, seine Wettbewerbsfähigkeit sichern und seinen inneren Zusammenhalt stabilisieren will, braucht keine weiteren Sonntagsreden. Es braucht Analyse, die wehtut, und Lösungen, die umsetzbar sind. Genau das ist der Anspruch der Zukunft.
Wer im 21. Jahrhundert bestehen will, muss moralisch im Ziel und realistisch im Mittel sein. Smart Power entsteht dort, wo wirtschaftliche Stärke, militärische Abschreckung und kulturelle Attraktivität zusammenkommen — nicht im Wechsel, sondern gleichzeitig.
Europa steht an einem Scheideweg. Entweder es begreift Macht wieder als Voraussetzung der Freiheit. Oder es bleibt das postheroische Projekt einer Wohlstandsgesellschaft, die Konflikte verdrängt, bis sie von ihnen überrollt wird und schlussendlich in Fremdbestimmung untergehen wird.
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Hier finden Sie mehr Informationen zum Think Tank Res Publica.
Der Autor, Kai William Jonathan Bontas (28), ist einer der beiden Gründer und Vorsitzender des neu gegründeten Think Tanks. Er ist aktuell Werkstudent bei Tata Consultancy Services und war lange im RCDS, der Studentenorganisation der CDU, aktiv, unter anderem als hessischer Landesvorsitzender. Die Positionierung von Res Publica dürfte heute oftmals schon als provokativ gelten, dabei ist es eine Einladung zum demokratischen Dialog.
