Seit 1955 wird der bedeutendste deutsche Wissenschaftspreis, der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Preis jährlich an Forscher der Medizin in der Frankfurter Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie, verliehen. Wie wichtig, das zeigt eine bemerkenswerte Zahl, die die Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken in ihr Grußwort einstreute: Jeder fünfte Preisträger hat später einen Nobelpreis verliehen bekommen.

Das hängt die Latte hoch, auch für die diesjährigen Preisträger. Der Nachwuchspreis ging an Dr. med. Dr. rer. nat. Varun Venkataramani, der in Heidelberg promovierte, wo er seit 2022 eine Forschungsgruppe an der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg leitet und als Arzt in der neurologischen Klinik des Universitätsklinikums tätig ist. Er habe das Glück Mitbegründer einer noch jungen Disziplin zu sein, gab er sich in seiner Dankesrede bescheiden. Der Laudator, Prof. Dr. Michael Weller von der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich, machte die Leistung des Nachwuchsmediziners deutlich: Venkataramani habe die Frage geklärt, warum Hirntumore sich so komplett von anderen Krebsarten unterscheiden und damit langfristig völlig neue Wege der Therapie eröffnet.

Die beiden Hauptpreisträger Prof. (em.) Dr. Dr. Davor Solter und Prof. Dr. Azim Surani wurden für ihre Entdeckung der „genomischen Prägung“ geehrt, die sie bereits 1985 machten. Das zeige, dass man in der Wissenschaft einen langen Atem brauche, stellte die Ministerin in ihrer Eingangsrede mit einem Augenzwinkern fest. Die genomische Prägung ist für eine gesunde Embryonalentwicklung erforderlich, weil sie das Ringen begrenzter Ressourcen zwischen der Mutter und dem in ihr heranwachsenden Kind ausbalanciert. Die medizinische Bedeutung geht aber weit darüber hinaus. Epigenetische Veränderungen spielen etwa bei Krebs eine Rolle, was bereits zur Entwicklung von Medikamenten geführt hat.
Auf der diesjährigen Preisverleihung warf aber noch jemand einen langen Schatten. Der Tod von Jürgen Habermas war just an diesem Tag bekannt geworden. Von daher verwiesen die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg und Timon Gremmels, Minister für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur des Landes Hessen in ihren Grußworten zu Beginn der Zeremonie auf die herausragende Bedeutung des Philosophen für die Stadt und den Wissenschaftsstandort hin, der viele Jahre seinen Wirkungsmittelpunkt am legendären Institut für Sozialwissenschaft in Frankfurt hatte. -db-
