Kommentar von Kollegiumsmitglied Dieter Brockmeyer, Director Innovation and TIME des Diplomatic World Institute

Es wurde von vielen erwartet, und ich war einer davon: die Kernschmelze bei den Kryptowährungen Bitcoin und Co, die auch Kryptowinter genannt wird, kam nicht wirklich überraschend. Die Krise in der Ukraine hatte wahrscheinlich auch den einen oder anderen Einfluss darauf, wie ja auf die Weltwirtschaft. Vor allen Dingen aber wurde alles dadurch unvorhersehbarer. Viel Geld floss mit Beginn der Sanktionen gegen Russland in das Digitalgeld, das dann wieder „gecashed“ werden musste, um weiter den aufwendigen Lebenswandel, jetzt vor allem in den Arabischen Emiraten zu ermöglichen. Inwieweit hat das zum Kryptowinter beigetragen? Davon hören wir nicht viel.

Von den anderen Gründen, die schon länger schrittweise zu einem ungünstigen Umfeld führten, umso mehr: China etwa versucht dezentrale Währungen ganz zu verdrängen. Man kann und will sich einfach keinen Bereich erlauben, der sich staatlicher Lenkung entzieht. Das haben auch andere Staaten erkannt und damit wird Regulierung ein immer wichtigeres Thema. Regulierung, das muss nichts Schlechtes sein, wie auch immer mehr Kryptoinsider erkennen. Allerdings muss das gut gemacht sein, was leider nicht immer der Fall ist. In den vergangenen Jahren sind Kryptoanlagen immer mehr Teil des stark regulierten Finanzmarktes geworden. Produkte müssen also angepasst werden. Hinzu kommt aber auch, dass Assetmanager mit der Kryptowelt traditionell nichts zu tun haben und sie gehen damit so um, wie mit ihren traditionellen Anlageformen: Wenn der Markt fällt, und das ist Trend in einem weltweit rezessiven Umfeld, werden Gewinne realisiert. Gerade in Märkten, die vorher außergewöhnlich gewachsen sind wie die digitalen Anlagen, führt dies in der Regel auch wieder zu einem überproportionalen Absturz.

Diese Mischung aus unattraktiverem Umfeld und Finanzmarktverhalten erklärt die aktuelle Situation zu einem guten Teil. Aber schon sind die Propheten wieder am Werk. Kryptowährungen werden ganz verschwinden, tönt es auf Seiten der Skeptiker. Das ist sehr unwahrscheinlich. Bald schon wird das alte Wachstum wieder einsetzen mit neuen immer höheren Rekordständen. Das ist möglich, aber auch nicht sehr wahrscheinlich, denn wenn der Kryptofrühling dann wieder einsetzt, wird das in einem veränderten, einem weitgehend regulierten Umfeld sein. Das könnte heißen, dass auch die Schwankungen nicht mehr so stark ausfallen und auch das Wachstum weniger dynamisch ausfiele. Wäre das so schlecht? Eines sollte aber auch nicht vergessen werden. Der Blick auf Bitcoin und Co verstellt den Blick auf die Blockchain Technologie, die die Basis nicht nur des digitalen Geldes bildet. Die Auswirkungen dieser Technologie werden viel weiter reichen als nur in den Finanzmarkt hinein, auch wenn das durch Krisen wie den aktuellen Kryptowinter verzögert wird, denn Kryptoskepsis hat aktuell Konjunktur. Wann sich das wieder ändern wird, hängt auch von Geopolitik und Geowirtschaft ab. Und die bleibt aktuell leider unvorhersehbar.

Anmerk. der Redaktion: Für mehr Hintergrund zur Blockchain Technologie hören Sie die englischsprachige Episode des Audiopodcasts „2hochMEHR” mit dem Gründungspräsidenten BSV Blockchain Association, Jimmy Nguyen.

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