Kommentar von Kollegiumsmitglied Dieter Brockmeyer, Director Innovation and TIME des Diplomatic World Institute

Wie man aus Russland hören kann, wurde auch das direkte Kremlumfeld von der Ukraine Eskalation überrascht, wo bis zum Ende der Eindruck beibehalten wurde es ginge nur um den Aufbau von maximalem Druck. Wir können natürlich nicht wissen, ob das stimmt. Wir wissen aber, dass jetzt alles verändert ist. Wir befinden uns mindestens in einem neuen Kalten Krieg, der sehr schnell weiter eskalieren kann, wenn wir nicht aufpassen wie Schießhunde und uns unserer vollen Verantwortung bewusst sind! Wir können nicht wissen, wie lange diese Situation anhalten wird – nicht wenige befürchten für eine lange Zeit.

Doch selbst, wenn es nur kurz dauerte, die Auswirkungen auf unser aller Leben, auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens, lokal wie global, ist enorm. Es trifft Lieferketten ebenso wie den Lebensmittel- oder Energiesektor. Preise schießen schon jetzt nach oben – und das sind erst die offensichtlichsten Reaktionen. Selbst, wenn sich die Situation in der Ukraine schnell entspannen würde, die Auswirkungen würden uns noch eine ganze Weile begleiten. Dies erhöht auch das Konfliktpotential in anderen Teilen der Welt – zusätzlich zu den Problemen, die es dort bereits gibt.

Wir müssen uns an die Tatsache gewöhnen, dass das einigermaßen stabile Kräfteverhältnis auf unserem Planeten für lange Zeit aus den Fugen geraten ist und die mehr oder weniger anerkannten Instrumente der Konfliktbewältigung der letzten Jahrzehnte unter Druck geraten. Das betrifft auch gerade die Rolle der Vereinten Nationen. Sie können ihre Kraft nur entfalten, wenn die Rolle weitgehend anerkannt wird. Die UN kann immerhin Zeichen setzen, aber muss sich auch immer wieder instrumentalisieren lassen. Hier brauchen wir neue Ideen und Reformen, um diese Institution in aller Interesse zu stärken. Das ist alles andere als ein Spaziergang, aber wenn wir uns nicht auf den Weg machen, wird die Lektion nur noch schmerzhafter ausfallen.

Zum Foto: Neuer Kalter Krieg? (Quelle: www.pixabay.com)

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