Mit Geschichte(n) rund um den Regensburger Dom befasst sich das Begleitbuch, das anlässlich der 750-Jahrfeier des Domes im Verlag Friedrich Pustet erschienen ist. Neben dem Kölner Dom ist der Sakralbau im Herzen der Oberpfalz die bedeutendste Kathedrale der Gotik in Deutschland. Herausgegeben von Domvikar Werner Schrüfer vereint das Buch zahlreiche Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Regensburger Dom auseinandersetzen.

Bereits das Vorwort von Domprobst Franz Frühmorgen macht deutlich, dass dieses Werk weit mehr sein möchte als eine reine Festschrift. Auf 352 Seiten versammelt das Buch insgesamt 40 Einzelbeiträge, die Geschichte, Kunst, Religion und persönliche Erfahrungen rund um den Dom auf vielfältige Weise miteinander verbinden. Besonders gelungen ist die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und lebendiger Erzählweise. Historische Ereignisse, kunstgeschichtliche Hintergründe und religiöse Aspekte werden verständlich dargestellt und durch persönliche Erinnerungen sowie individuelle Zugänge ergänzt. Dadurch entsteht ein facettenreiches Bild der Kathedrale, die nicht nur das Wahrzeichen der Stadt Regensburg ist, sondern auch als lebendiger Ort des Glaubens, der Kultur und der Geschichte präsentiert wird.

Die bedeutendste Kirche der Stadt und Kathedrale des Bistums feiert im Jahr 2026 ein Jubiläum.

Die Vielfalt der Mitwirkenden – darunter Theologen, Kunsthistoriker, Journalisten und eines ehemaligen Domspatzen – sorgt für abwechslungsreiche Perspektiven und macht die Lektüre auch für Leserinnen und Leser interessant, die sich bisher nur wenig mit dem Dom beschäftigt haben. Besonders beeindruckend ist die thematische Bandbreite der Beiträge. So erläutert u.a. Achim Hubel in seinem Aufsatz „Wie gelang der Neubau des Domes?“ die historischen Voraussetzungen und Herausforderungen des Dombaus im Regensburg des 13. Jahrhunderts. Einen kunsthistorischen Zugang bietet Susanne Biber mit ihrer Betrachtung des Regensburger Hauptportals als symbolischem „Eintritt in den Raum Gottes“. Die wechselvolle Beziehung zwischen christlicher Tradition und jüdischer Gemeinde beleuchtet Eva Haverkamp-Rott in ihrem Beitrag „Schatten am und um den Dom“ und eröffnet damit wichtige Perspektiven auf die Stadtgeschichte.

Auch weniger bekannte Facetten der Domgeschichte finden ihren Platz. Albert Dietl widmet sich dem berühmten „lachenden Engel“ und ordnet die Skulptur in die mittelalterlichen Schönheitsideale ein. Friedrich Fuchs untersucht in seinem Beitrag einen geheimnisvollen Kieselstein im Rücken Mariens und macht dabei die Welt der Steinmetzzeichen und ihrer Deutungen lebendig. Mit Lorenz Baibls Aufsatz „Predigt, Pest und Pulverdampf“ wird deutlich, wie eng die Geschichte des Domes mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges verbunden war. Dass Geschichte nicht nur von großen Ereignissen, sondern auch von menschlichen Konflikten geprägt wird, zeigt Manfred Eder anhand der sogenannten „Ringkuss-Affäre“, die Einblicke in Missgunst und Streitigkeiten innerhalb des Domkapitels gewährt. Einen besonderen kulturgeschichtlichen Akzent setzt Karl Stock mit seinem Beitrag über den englischen Maler William Turner und dessen Begegnung mit dem Regensburger Dom.

Das Buch „Mehr als Stein und Glas“ ist im Verlag Friedrich Pustet erschienen und zum Preis von 25 Euro im Buchhandel erhältlich. Auf 352 Seiten erinnern zahlreiche Autorinnen und Autoren kenntnisreich und pointiert an besondere Geschehnisse rund um den Dom St. Peter zu Regensburg. Die Mischung aus fundierter Forschung, spannenden Einzelgeschichten und abwechslungsreichen Perspektiven macht das Buch sowohl für Fachleute als auch für interessierte Laien zu einer bereichernden Lektüre. Es ist damit weit mehr als ein Jubiläumsband – es ist eine Einladung, die Geschichte des Regensburger Doms neu zu entdecken.

Von Kollegiumsmitglied Hans-Peter Weiß

Anmerkung der Redaktion: Das Domjubiläum wird in Regensburg im Sommer umfangreich sowohl vom Bistum als auch der Zivilgesellschaft gefeiert. Seit dem 25. Juni ist in der profanierten Museumskirche St. Ulrich (direkt neben dem Dom) die Ausstellung „Faszination Kathedrale“ mit Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Im AKUSO Forum wird vom 16. Juli bis 15. August zudem die Ausstellung „Mehr als Steine – Mein persönlicher Blick auf Dom und Steinerne Brücke“ präsentiert. Hier werden künstlerische und fotographische Werke, die entweder den Dom oder die Steinerne Brücke (oder beide Bauwerke) in den Mittelpunkt rücken, gezeigt werden.   

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