Bei der 97. Verleihung der Oscars – den „Academy Awards“ – am 2. März 2025 in Los Angeles war die Verfilmung des Vatikan-Thrillers „Konklave“ von Robert Harris für acht Oscars nominiert und ist mit einem davon ausgezeichnet worden. Die Wahl des neuen Papstes hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle wird von Regisseur Edward Berger als Krieg zwischen den rivalisierenden Kandidaten und den von ihnen repräsentierten Richtungen im Kardinalskollegium inszeniert. Dabei treten Konflikte zutage, aus denen sich manches lernen lässt.

Das Innere des Pertersdom in Rom mit Blick auf den Hauptaltar
Bild von Volker Glätsch auf Pixabay

Die Amtszeit eines Papstes endet meist mit seinem Tod. Frühestens am 15. und spätestens am 20. Tag nach Eintritt der sogenannten Sedisvakanz beginnt mit einer Heiligen Messe im Petersdom und dem Einzug der wahlberechtigten Kardinäle in die Sixtinische Kapelle das Konklave zur Wahl des neuen Papstes. Für die Wahlgänge werden die wahlberechtigten Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen, alle übrigen nicht zum Konklave Gehörenden mit dem Kommando „Extra omnes“ („alle hinaus“) weggeschickt. Zwischen den Wahlgängen leben die Kardinäle im Gästehaus Domus Sanctae Marthae, bleiben aber von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Jeglicher Kontakt nach draußen wird unterbunden.

Erste Irritationen

Im Film ist Thomas Lawrence der von den Kardinälen gewählte und vom Papst bestätigte Dekan. Nach dem Papst ist er der zweite Mann im Vatikan und Primus inter Pares unter den Kardinälen. Erst mit der Sedisvakanz kommen dem Dekan bedeutende Funktionen zu, insbesondere die Leitung des Konklave. Als Lawrence an das Totenbett des Papstes tritt, eröffnet ihm Kardinal Tremblay, dass er ihn bewusst verzögert vom Tod des Pontifex unterrichtete, um zuvor noch einige Angelegenheiten zu klären. Nicht zuletzt am irritierten Blick von Lawrence ist abzulesen, dass Tremblay seine Befugnisse überschritten hat. Schon sein gesamter Auftritt zeigt, dass er etwas zu verbergen hat. Kurze Zeit später wird Lawrence den Grund erfahren und erleben, dass Tremblay stets jeden Fehler bestreitet und immer neue Ausreden parat hat. Wie es so häufig in der Realität geschieht, hört Lawrence nicht auf sein ungutes Bauchgefühl und verpasst die Chance, den glatten Regelverstoß sofort anzusprechen. In der ohnehin außergewöhnlichen Situation am Totenbett obsiegt der Wunsch nach Harmonie und Lawrence verdrängt alles, was Verwirrung und Streit auslösen könnte.

Tremblay leugnet

Von Erzbischof Wozniak erfährt er kurz darauf, dass Tremblay bei der letzten Audienz des Papstes wegen gravierender Verfehlungen aller seiner Ämter enthoben wurde. Daraufhin konfrontiert er den in Ungnade Gefallenen mit dem abgeschwächten Vorwurf, der Papst habe um seinen Rücktritt gebeten. Abgebrüht und im Stil des geübten Lügners weist Tremblay dies empört als absurd von sich. Dann beginnt er, die Glaubwürdigkeit und das Urteilsvermögen des Erzbischofes Wozniak durch Verweis auf dessen „Trinkerei“ in Zweifel zu ziehen. Lawrence unternimmt einen weiteren Versuch und fragt nach dem Inhalt des letzten Gesprächs zwischen Tremblay und dem Heiligen Vater, den dieser nun routiniert unter Verweis auf die Vertraulichkeit abwehrt. Noch einmal erweist sich Tremblay als zu gerissen für den Kardinal.

Wider die Gewissheit

Als Dekan ist Lawrence Leiter des Konklave. Nach einleitenden Worten zur Eröffnung beschwört er die Kardinäle, „aus dem Herzen“ zu entscheiden, und mahnt sie vor der Gewissheit, die er mehr als alle anderen Sünden zu fürchten gelernt habe. Gewissheit bezeichnet er als tödlichen Feind der Toleranz und erinnert daran, dass selbst Jesus am Kreuz sich seines Tuns nicht mehr gewiss war, sondern zweifelte. In der Existenz von Gewissheit, die ohne jeglichen Zweifel auskommt, sieht Lawrence keinen Raum für das Mysterium und letztlich auch nicht für den Glauben.

Auch in Mediationen sollten wir eher dem Zweifel als der Gewissheit folgen. Gerichte sehen ihre Aufgabe darin, die Wahrheit zu ermitteln und daraus klare Schlussfolgerungen abzuleiten. In einer Mediation können wir verschiedene Sichtweisen auf die Geschehensabläufe, verschiedene Möglichkeiten der Motivation nebeneinander bestehen lassen. Die Wahrheit bleibt letztlich unerforscht, jede Person wird mit ihrer Sichtweise anerkannt und mit der Sichtweise der anderen Personen konfrontiert. Nur vor diesem Hintergrund kann gegenseitiges Verständnis geweckt und gemeinsam eine Zukunft ermöglicht werden.

Der Sündenfall des Kardinals

Bei der gemeinsamen Mahlzeit kommt es im Speisesaal zu einem Zwischenfall mit einer Nonne namens Shanumi. Im Rahmen einer späteren Beichte eröffnet diese dem Dekan Lawrence, dass Kardinal Joshua Adeyemi vor dreißig Jahren mit ihr ein Kind gezeugt habe. Lawrence stellt daraufhin Adeyemi zur Rede, kann ihm aber wegen des Beichtgeheimnisses zunächst nichts anlasten. Die Situation klar erfassend spricht Adeyemi den Vorgang daher selbst an und befreit Lawrence damit aus seinem Dilemma. Adeyemi bittet nun, ihm dies als Jugendsünde zu verzeihen, und erklärt, er habe seither zu Shanumi keinen Kontakt gehabt. Seine Vaterschaft zweifelt er im Übrigen an. Lawrence weist den zu diesem Zeitpunkt noch aussichtsreichen Kardinal klar darauf hin, dass er angesichts seiner Verfehlung niemals Papst werden könne. Danach zeigt er Mitgefühl und betet auf Bitten von Adeyemi gemeinsam mit ihm. Shanumi wird später zurückgeschickt, ihr Schicksal und das des Kindes werden in der Welt der um die Papstwahl ringenden Kardinäle nicht weiter beachtet. Für die Dramaturgie des Films ist dies aber auch nicht notwendig, steht dieser Fall doch exemplarisch für das vorsichtige Agieren des Kardinals.

Tremblays Verfehlungen

Angebote, mehr über die Ermittlung gegen Tremblay und dessen Anteil am Erscheinen der Nonne Shanumi beim Konklave, dreißig Jahre nach der Affäre mit Adeyemi, zu erfahren, weist Lawrence zunächst zurück. Dann jedoch beginnt er selbst zu ermitteln. Auf sein Drängen gibt ihm Schwester Agnes Einblick in die Unterlagen, laut derer Tremblay die Einladung der Nonne Shanumi veranlasst hatte – offensichtlich mit dem Ansinnen, seinen Konkurrenten um die Papstnachfolge auszuschalten.

Als Lawrence Tremblay danach im vertraulichen Gespräch zum Verzicht auf die Kandidatur auffordert, geht dieser zum Gegenangriff über und droht ihm sogar. Die Unterredung beendet er mit der Aussage: „Was mich betrifft, hat dieses Gespräch nie stattgefunden.“ Psychologisch betrachtet ist dies eine Form des Rückzugs oder der Verdrängung. Tremblay will sich mit dem Vorwurf, aller Ämter enthoben zu sein, nicht auseinandersetzen. Sein Appell ist ein Versuch, gemeinsam „den Mantel des Schweigens“ über den Vorwurf zu legen. Doch Lawrence geht darauf nicht ein, im Gegenteil, er sagt laut und mit Nachdruck: „Und es hat doch stattgefunden!“

Nicht aufgebend sucht er nun im Schlafzimmer des Papstes nach Hinweisen und findet dort versteckte Unterlagen, die die Bestechung mehrerer Kardinäle durch Tremblay belegen. Mithilfe von Schwester Agnes kopiert er die Beweise und lässt sie allen Kardinälen vorlegen. Auch jetzt versucht es Tremblay mit seiner bewährten aggressiven Verteidigung und erklärt, die Unterlagen seien gefälscht. Schwester Agnes schreitet ein und informiert die erstaunten Kardinäle, dass Nonne Shanumi tatsächlich auf Betreiben von Kardinal Tremblay nach Rom gebracht worden ist. Die Lüge, auf Bitte des verstorbenen Papstes gehandelt zu haben, hilft Tremblay jetzt nicht mehr weiter. Durch die Vorlage der Unterlagen und die Intervention von Schwester Agnes büßt der machthungrige und skrupellose Kardinal Tremblay endgültig seine Chancen, zum Papst gewählt zu werden, ein.

Ideal und Realität

Immer wieder zeigt sich, dass Dekan Lawrence zwischen seinen Idealen und den Machtinteressen der Kardinäle steht. So appelliert er denn auch an den von ihm unterstützten liberalen Kardinal Bellini: „Das ist ein Konklave, Aldo, kein Krieg!“ und wird von diesem belehrt: „Es ist ein Krieg und du musst dich bekennen, wo du stehst!“ Später sagt Lawrence zu Bellini „Ich dachte, wir wären hier, um Gott zu dienen, nicht der Kurie!“ und wird wiederum belehrt: „Sei doch nicht so naiv!“ Bei einer geheimen Absprache zwischen den Wahlgängen hegt Lawrence Bedenken gegen den Plan, das geringste Übel zu wählen. Jetzt wird er darauf hingewiesen, welche Fehler vergangene Päpste hatten. Der Kardinalskollege erklärt, dass es keinen fehlerfreien Kardinal gebe, und begründet dies mit der Erkenntnis: „Wir sind eben nur Menschen. Wir dienen einem Ideal, aber wir verkörpern es nicht immer!“ Lawrence ist in der Zwickmühle, entweder seinem eigenen Ethos zu entsprechen oder seiner neutralen Rolle als Dekan gerecht zu werden.

In Mediationen haben wir ebenfalls mitunter den Eindruck, dass die Dinge sich in die falsche Richtung entwickeln, und suchen Möglichkeiten zur Korrektur, ohne dabei die Allparteilichkeit aufzugeben. Lawrence entscheidet sich, an wichtigen Stellen einzugreifen, doch im Übrigen die Dinge laufen zu lassen und letztlich auf Gott zu vertrauen.

Tedesco gegen Benítez

Schließlich scheint die Wahl zugunsten des konservativen Kardinals Tedesco zu verlaufen, der gegen den verstorbenen Papst opponiert hat und einige Modernisierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils rückgängig machen will. Zu diesem Zeitpunkt wird Rom von Anschlägen erschüttert und auch einige Kardinäle werden infolge einer in der Nähe explodierenden Autobombe verletzt. Kardinal Tedesco hält eine flammende Rede gegen liberale Strömungen in der Kurie, gegen die Tolerierung des Islams, ruft zum Religionskrieg auf und fordert einen Führer, der „diese Bestien endlich bekämpft“. Ihm tritt Kardinal Benítez entgegen, der dem Papst nahestand und von diesem im Geheimen zum Kardinal ernannt worden war. Unter Verweis auf seine Tätigkeit in den Kriegen im Kongo, in Bagdad und in Kabul warnt er davor, in einen Krieg zu ziehen. Er ruft dazu auf, dem Hass und der Angst nicht nachzugeben, appelliert an die Kardinäle, den einzelnen Menschen zu sehen. Er meint, das Kardinalskollegium habe sich bis dahin als „kleine und kleinliche Gruppe von Männern erwiesen“, die nur an sich selbst, an Rom, an der Macht interessiert seien. Dem stellt er seine Idee gegenüber, nach der die Kirche nicht die Vergangenheit und nicht die Tradition sei, sondern das, was die Kardinäle im Dienste der Menschheit daraus machen. Mit diesem emotionalen und persönlichen Appell gelingt es Benítez, die Kardinalskollegen für sich zu gewinnen, er wird im nächsten Wahlgang zum neuen Papst gewählt. Lawrence ist nun ziemlich überrascht, dass sein vorsichtiges Agieren letztlich zu einem positiven Ende geführt hat.

Fazit

Den schmalen Grat zwischen dem Eingriff für einen guten Ausgang und dem Vertrauen auf die Kraft der Mediation kennen wir aus unserem Alltag. Manchmal ist es eben besser, sich zurückzuhalten und die Dinge für sich sprechen zu lassen. Der Blick auf die Papstwahl im Film Konklave kann uns dazu wichtige Denkanstöße liefern.

Anmerkung der Redaktion: Der Autor, Dr. Thomas Lapp, ist Rechtsanwalt und Mediator, Mediationstrainer, Lehrbeauftragter der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Vorsitzender der AG Mediation im Deutschen Anwaltverein (DAV e. V.), Mitglied im Redaktionsbeirat des Fachmagazins „Die Mediation“, Präsident des Deutschen Forums für Mediation (DFfM e. V.). Für das Magazin analysiert er regelmäßig erfolgreiche Kinofilme, wie hier „Konklave“, um darin enthaltene Konfliktstränge herauszuarbeiten, an Hand derer sich exemplarisch mögliche Lösungswege ableiten und erläutern lassen. Wir begrüßen Herrn Dr. Lapp mit Dank für seinen Debutbeitrag herzlich im Redaktionskollegium des EUROjournals.

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