Technologieoffenheit sei der “Niedergang der deutschen Industrie“, ließ laut n-tv kürzlich Martin Gorning, Ökonom und Forschungsdirektor für Industriepolitik beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DWI) verbreiten. Deutschland hätte China nur in der Nische etwas entgegenzusetzen. So weit so gut. Aber diese Nische muss gefunden und entwickelt werden.

Karrikatur des Weisen, Alten Mannes
Bild erstellt mit ChatGPT

Wer soll das tun? Soll etwa der Staat diese Nische vorgeben? Wohin das führt, ist leicht vorstellbar. Eine noch größere Bürokratie und Gängelung der Wirtschaft wäre wahrscheinlich und damit in letzter Konsequenz ein noch größerer Verfall. Wenngleich ich seine Nischentheorie durchaus nachfühlen kann, brauchen wir dennoch Technologieoffenheit, einfach um Trends und Möglichkeiten zu erkennen, um dann die Nischen zu definieren und zu entwickeln.

Ein Fehlschluss also? Vielleicht. Solche finden wir gegenwärtig allerorten. So erklärte der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Sommerinterview, es im Moment weniger wichtig, dass Entlastungen beim Bürger ankommen. Jetzt müsste das System erst einmal stabilisiert werden. Auf gut Deutsch, wir arbeiten an den Symptomen und sparen unsere Krankenversorgung, unsere Infrastruktur etc. weiter zu Tode, statt echte Reformen anzugehen, die vom Bürger nachvollzogen werden können.

Unseren Institutionen und der Politik fehlt es an Mut und Visionen. Der Preis ist ein weiterer Vertrauensverlust beim Bürger, der sich, mangels Alternativen in der Mitte, zu den Rändern hin orientiert. Die Regierung macht alles, um diesen Trend noch zu verschärfen – und merkt es nicht einmal. Mehr kann man sich kaum von der Basis entfernen.

Noch könnten wir die Entwicklung mutig rumreißen, aber die sogenannte Mitte verharrt lieber mutlos im „Klein-Klein“ und im weiter so. Robert Musil hat das in seinem Romanepos „Der Mann ohne Eigenschaften“ als das „fortwursteln“ bezeichnet. Das Sprachbild passt auch heute wieder. Was mit Österreich-Ungarn passierte, wissen wir. Wie es mit uns heute weitergeht, das wird die Geschichte noch zeigen.

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