Frankfurt und das umliegende Rhein-Main-Gebiet ist die World Design Capital 2026, also ein ganzes Jahr die Welthauptstadt des Designs. Außerhalb der Blase hat das kaum jemand wahrgenommen. Und auch innerhalb der Designbranche, die das Projekt ursprünglich mit einiger Hoffnung verbunden hatte, ist inzwischen Ernüchterung eingetreten. Was ein Showcase für die Relevanz dieser Kreativbranche hätte sein können, sei einmal mehr zur Selbstbeweihräucherung einer elitären Kunstszene verkommen.

Karrikatur des Weisen, Alten Mannes
Bild erstellt mit ChatGPT

Viel Kritik

Jüngst erst kritisierte der mit der Mainmetropole eng verbundene Stararchitekt Stefan Forster die WDC auf 3Sat: Beteiligungsformate, Demokratie-Hocker oder Urban Gardening würden als Alibi-Lösungen für große gesellschaftliche Probleme genutzt und Symbolpolitik und temporäre Atmosphäre ersetzen echte, langfristige Stadtentwicklung.

Aber es gibt ja den „Sky Full of Hope“, eine Kunstinstallation auf der zentralen Konstabler Wache, für drei Jahre von der amerikanischen Künstlerin Janet Echelman für 2,3 Millionen EUR gemietet. Die Installation ist nicht winterfest und muss im Herbst abgenommen und im Frühjahr wieder aufgebaut werden. Schon der Aufbau war nicht unumstritten, da der wöchentliche Bauernmarkt über mehrere Wochen nicht stattfinden konnte, und einzelne Beschicker dem Vernehmen nach dadurch in ernsthafte Schwierigkeiten gekommen sein sollen. Das Kunstwerk selbst war zuvor schon in Wien, Helsinki und Madrid zu sehen gewesen.

"A Sky Full of Hope" auf der Konstabler Wache in Frankfurt am Main.
„A Sky Full of Hope“, Foto: Arthur P. Vorreiter

Laut dem Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef habe man ein bleibendes Zeichen setzen wollen. Das aber, so kritisiert Forster, letztlich wieder doch auch nur ein temporäres Event sei.

Die Funktion von Kunst

Eine Funktion von Kunst hat die Installation aber erfüllt. Sie hat eine heftige Kontroverse innerhalb der Stadtgesellschaft ausgelöst, wobei die Kritiker klar die Mehrheit bilden. Diese Auswirkung ist allerdings nur lokal. Die Summe wurde aus Mitteln des Stadtmarketings aufgebracht, um international Aufmerksamkeit auf die Stadt zu lenken. Auch die WDC soll eigentlich der Region und der Branche weltweite Aufmerksamkeit bringen, nicht nur in der eigenen Blase.

Dazu aber wäre eine exklusive Installation, deren Aufmerksamkeitspotential nicht zuvor schon an anderen Stellen aufgebraucht wurde, viel besser geeignet gewesen. Das gilt umso mehr, wenn man auf den immensen Aufwand schaut, den andere europäische Städte betreiben. In Brüssel etwa fand zeitgleich, zwischen dem 13. und 19. August, der jährliche „Blumenteppich“ statt, der den Grand Place unter dem Titel „Neo-Hokusai“ illuminierte. Auch nur ein Event, könnte man meinen, aber von ungleich höherer Strahlkraft!

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