Der August ist ja der klassische Ferien- und Urlaubsmonat. Das EUROjournal will in dieser Zeit den ein oder anderen Ausflugstipp zu interessanten Ausstellungen und Orten unterbreiten. Nach dem Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt und dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg schauen wir uns heute an einem Kultur- und Natureldorado im Südosten Bayerns um.

Der Waginger See und das ihn umgebende Gebiet im Landkreis Traunstein ist eine uralte bayerische Kulturlandschaft, die Siedlungen rund um den See bis in die Zeit der Bajuwaren zurück verfolgbar. Heute verbinden sich hier bayerische Lebensart und nicht überlaufener Freizeitspaß auf das Angenehmste.

Inmitten des Rupertiwinkels – in Anlehnung an den Missionar und „Apostel der Baiern“ Rupert – gelegen, war die Region seit dem achten Jahrhundert unter dem Einfluss des Erzbistums Salzburg. Dort wirkte der Heilige Rupert, nachdem er um das Jahr 700 den Agilolfinger Theodo II. in seiner Residenzstadt Regensburg zum römisch-katholischen Glauben bekehrt hatte, wohl ab 711 als erster Bischof. Er gründete auch das älteste noch existente Frauenkloster der Welt, Nonnberg im Herzen Salzburgs, und setzte seine Nichte Erentrudis dort als erste Äbtissin ein. Als Gründungsgeschenk gleichsam schlug der Baiern-Herzog Theotbert das Dorf Uuaginga, das einige Generationen zuvor wohl von einem bajuwarischen Anführer namens Uuago gegründet worden war (aus Uu wird W), dem neuen Kloster zu.

Die zahlreichen Funde aus der Zeit der ersten „Bayern“, deren Ursprünge trotz oder gerade wegen fortschreitender Forschung freilich immer nebulöser werden – es war wohl ein „Mischvolk“ aus keltischer Urbevölkerung, Nachfahren römischer Legionäre und Verwaltungskräfte, nicht zuletzt aber auch im Rahmen der Völkerwanderung eingewanderter slawischer Siedlergruppen – werden in dem kleinen, aber feinen Bajuwarenmuseum im Rathaus des Marktes Waging am See präsentiert. Die Besucherinnen und Besucher des Museums erhalten hier vor allem Einblicke in das Alltagsleben dieser bäuerlichen Gesellschaft, aber auch ihres Beitrags zur Kultivierung des Voralpenlandes. Mit den nachfolgenden Jahrhunderten mehren sich auch die schriftlichen Zeugnisse, im Laufe des 13. Jahrhunderts konnte sich das Erzbistum Salzburg die politische und wirtschaftliche Oberhoheit über das Gebiet sichern und bis zum Aufgehen des Fürstentums Salzburg in der Habsburger Monarchie 1805 erhalten. Insbesondere die Lage an den nach Norden führenden Salzwegen aus dem unweit gelegenen Reichenhall führte früh zu Wohlstand und Selbstbewusstsein. Erst im Rahmen des Wiener Kongresses wurde das Gebiet rund um den Waginger See links der Salzach wieder bairisch.

Freilich ist die Verbundenheit zur Kulturmetropole Salzburg auch heute noch spürbar und kann in der Tourismusregion als großes Plus gelten. Vor allem aber Natur- und Freizeitsportfreunde kommen am Waginger See mit seinen knapp sieben Quadratkilometern Fläche und dem nur durch eine kleine Landbrücke getrennten Tachinger See im Norden voll auf ihre Kosten. Mehrere Strandbäder (auch im Hitzesommer 2022 übrigens mit bemerkenswert hohem Wasserstand, die günstige Voralpenlage mit deutlich höheren Niederschlagswerten als in nördlicheren Gefilden macht dies möglich) laden zum Baden, Angeln, Rudern oder Segeln ein, dabei ist für jeden Geldbeutel etwas geboten, ein Zelturlaub auf einem der wohl beschickten fünf Campingplätze ist genauso möglich wie in charmanten und liebevoll im Familienverband geführten Landhotels der Region. Da macht sich die Zeit nach Corona- und inmitten der Gaskrise dann freilich aber doch auch hier bemerkbar. Mindestens zwei Ruhetage in vielen gastronomischen Betrieben rund um den See in der Hauptsaison sind wohl auch an einem der wärmsten Badeseen Bayerns Folge des eklatanten Personalmangels. Auch das Paradies ist nicht frei von Problemen…

Vom Leiter der Chefredaktion Prof. Dr. Wolfgang Otto

Zum Foto oben: Blick auf den Waginger See im Rupertiwinkel.

Zum Foto unten: Der Marktplatz vor der das Bild des Marktes Waging dominierenden Pfarrkirche St. Martin (Fotos: Wolfgang Otto).

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