Schlagzeile: Spionage für China, „nur“, weil auf einem Wissenschaftssymposium in China, zu dem der verdächtigte deutsche Wissenschaftler eingeladen hatte, auch ein Vertreter des chinesischen Geheimdienstes dabei gewesen sein soll. Diesen Fall gibt es wirklich. Mal abgesehen, dass solche Tagungen in der Regel fach-öffentlich sind, werden die dort diskutierten Probleme und Lösungen auch in irgend einer Form publiziert und sind für jeden, der sich ein wenig auskennt, zugänglich.

Karrikatur des Weisen, Alten Mannes
Bild erstellt mit ChatGPT

Wer so argumentiert, stellt den akademischen Austausch mit China grundsätzlich in Frage. Schauen wir uns die ökonomische, aber auch wissenschaftliche Entwicklung des Landes an, wäre das ein Fehler, wahrscheinlich sogar ein schwerer. Das Land ist längst nicht mehr der Staubsauger, der alles an Patenten absaugt. China ist in vielen Fällen führend bei der Entwicklung neuer Lösungen. Das ist sicherlich ein Grund, warum plötzlich internationale Patente auch dort eine immer größere Rolle spielen.

Gleichzeitig öffnet es sich immer weiter für wirtschaftliche Kooperationen. Und Deutschland hat noch immer einen exzellenten Ruf. Man habe immer gesagt, dass man von Deutschland lerne; das hörte ich auf meiner Chinareise immer wieder. Noch sieht man uns vielfach auf Augenhöhe und es wäre ein Fehler, das zu ignorieren.

Inzwischen können wir – zumindest in Bereichen, die für den Erhalt unseres Wohlstandes wichtig sind – lernen. Mein Eindruck war, bei aller nötigen Vorsicht, dass China auch dafür offen ist. Das heißt nicht, dass wir die teilweise diametral entgegengesetzte Weltsicht und die damit verbundenen Probleme ausblenden sollten. Das wäre auch ein Fehler. China ist aber zu mächtig geworden, zu dynamisch und selbstbewusst, um es zu ignorieren. Der Druck von dort, der schon heute auf unsere Wirtschaft und damit auf unseren Wohlstand lastet, würde sich weiter erhöhen und am Ende uns sehr wahrscheinlich erdrücken. Und das wäre für beide Seiten fatal, denn China braucht auch den europäischen Markt: Als Ventil um die Probleme zu Hause, die das Land durchaus hat, abzufedern.

Wir müssen uns – in Teilen – wieder gegenüber China öffnen, nicht nur mit der Wirtschaft. Wir müssen uns auch wieder stärker mit der Kultur und Wissenschaft beschäftigen und bereit sein, da wo es für uns Sinn macht, zu lernen. Davon profitieren nicht nur Wirtschaft und Wohlstand; wir können auch die Probleme in den Beziehungen besser einordnen und damit umgehen. Pragmatismus und Diplomatie, das sind die Anforderungen der Stunde!

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