Wenn man vom zentralen Verkehrsknoten Frankfurt/Main spricht, denkt man in der Regel an den Flughafen, den Hauptbahnhof oder auch das Frankfurter Kreuz, weniger an den Osthafen. Dabei verknoten sich hier alle drei Verkehrsträger mit der Binnenschifffahrt.

Welche Bedeutung dieser aber für das Verkehrsnetz in Deutschland hat, zeigt sich, wie in diesem Sommer, immer erst dann, wenn die Wasserstände zu niedrig und die Schiffe nicht mehr fahren können. Ein Schiff holt im Schnitt ungefähr 150 LKW von der Straße und das zu einem besonders guten Preis/Leistungsverhältnis. Erreicht man mit einem Schiff von Frankfurt aus den Duisburger Hafen, käme man mit LKW bei gleichem Aufwand nur bis Hanau, rechnet Daniel Imhäuser, im Vorstand der Gemeinschaft Frankfurter Hafenanlieger (GFH) und Geschäftsführer von Blasius Schuster, vor.
Niedrigwasser und andere Probleme
Die Probleme mit dem Niedrigwasser und andere Infrastrukturprobleme im Logistiksektor seien weitgehend Haus gemacht, sagt GFH Vorsitzender Christian Eichmann. Seit 28 Jahren sei er tief in dem Thema involviert, passiert sei bislang nichts. Er bezog sich beispielsweise auf die Rheinvertiefung bei St. Goar, wo nur etwa 20 bis 30 Zentimeter Fels weggesprengt werden müssten um die Binnenschifffahrt auch bei Niedrigwasser aufrechtzuerhalten. Bislang sei noch nichts passiert.

Der Geschäftsführer der Contargo Niederlassung im Osthafen, Kawus Khederzadeh, betont, dass der Osthafen einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Region, zur Entlastung der Straßen und zum klimafreundlichen Gütertransport leiste. Der Frankfurter Osthafen sei weit mehr als ein Umschlagplatz: Er sei das Tor der Region zu den europäischen Seehäfen, entlaste Straßen, reduziere CO₂ und sichere Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze in Frankfurt. Die Klimaziele der Erreichung von CO2 Neutralität 2035 sei ohne die Binnenschifffahrt nicht zu erreichen. Contargo Rhein Main schlägt am Standort Osthafen auf etwa 60.000 m2 jährlich etwa 50.000 Container um.
Ausbau gefordert
Von daher fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Clemens Christmann mehr Investitionen durch die Stadt Frankfurt in die Osthafen-Infrastruktur. Der Osthafen sei ein wichtiger Standort für die Produktion und den Umschlag von Gütern. Damit die hier ansässigen Unternehmen möglichst effizient wirtschaften können, sollte ausreichend Mittel für die Instandhaltung der Straßen-, Schienen- und Wasserstraßeninfrastruktur vor Ort bereitgestellt werden. Das beinhalte auch die zeitnahe Sanierung der Industriestraßen im Osthafen, die bereits seit Jahren in einem schlechten Zustand seien. Das schränke die Erreichbarkeit der anliegenden Unternehmen ein und führe zudem immer wieder zu Schäden an Fahrzeugen und Gütern. Darüber hinaus benötigen die Unternehmen vor Ort eine Sicherung des Osthafens als Gewerbestandort über das Jahr 2050 hinaus. Nur so entsteht ausreichend Planungssicherheit, die Investitionen in den Standort nach sich zieht“, so Christmann.

Imhäuser stellt lapidar fest, Frankfurt habe bereits, was andere Städte erst planen – einen zentralen, stadtnahen Umschlagplatz. Er betonte das Ökosystem Hafen. Sein Unternehmen produziere unter anderem nachhaltige Substrate, die von Unternehmen in der unmittelbaren Nachbarschaft übernommen und an deren Kunden, etwa für die Dachbegrünung weiter geliefert würden. So seien kurze und damit nachhaltige Lieferwege umsetzbar. In der Stadt Frankfurt wird immer wieder diskutiert, den Osthafen als Lebensraum zu gewinnen, so, wie es mit dem alten Westhafen bereits geschehen ist. Der Hafenbetrieb könne in den Hanauer Hafen etwa 15 Kilometer integriert werden. -db-

