„Zurück an die Weltspitze“, das war das Motto des diesjährigen Ludwig-Erhard-Gipfels auf Gut Kaltenbrunn am Tegernsee. Das Thema war wichtig, der Ort gut ausgewählt, und wieder waren etwa 1500 Anmeldungen eingegangen, wovon viele auch angereist waren.

Dabei war einiges anders als in den vergangenen Jahren. Die Bayerische Landesregierung hatte ihre Unterstützung gestrichen und es gab auch erstmals keinen Staatsempfang. Und auch die sonst üblichen Bundesminister blieben dieses Mal fern.
Bei ihrer Eröffnung konnte sich deshalb die Verlegerin der veranstaltenden Weimer Media Group, Christiane Götz-Weimer, sich einen Seitenhieb auf die interessengesteuerte Kampagne, die von Wettbewerbern aufgegriffen worden sei, nicht verkneifen. Die Angriffe auf den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Vorfeld hatten ganz klar ihre Spuren hinterlassen. Immerhin waren Armin Laschet, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages vorsteht, und Philipp Amthor, seines Zeichens parlamentarischer Staatssekretär im Digitalisierungsministerium, angereist und stellten sich den Fragen des Content Direktors des Verlags, Ansgar Graw. Auch das weitere Kongressprogramm jedenfalls ließ keine Wünsche offen. Und auch die Zuschauer waren zahlreich und hochrangig wie eh. Beobachter jedenfalls bestätigten, dass die Besucherreihen ähnlich wie in den Vorjahren besetzt waren. Der Kongress sei wichtig und greife die richtigen Themen auf, hörte man immer wieder.

Neben dem Weg zurück an die Weltspitze, war die angespannte Sicherheitslage im Fokus. Zusätzlich war auch Verteidigung als Wirtschaftsfaktor als Thema gesetzt. Und auch in anderen Zusammenhängen tauchte dieses Thema immer wieder auf.
Philipp Amthor jedenfalls polarisierte mit seinem Impuls und dem anschließenden Gespräch mit seinen Aussagen. Die Regierung würde nicht zu wenig handeln, sondern hätte ein Glaubwürdigkeitsdefizit. Dabei sei man etwa mit dem Bürokratieabbau schon auf einem sehr guten Weg. Unternehmen wolle man von 25 Prozent der Bürokratiekosten entlasten, was etwa 26 Milliarden Euro entspricht. Gelingen soll das dadurch, dass man die Beweislast umkehrt und Unternehmen von allen Dokumentationsverpflichtungen befreit, zumindest von denen, deren Wirkung nicht stichhaltig nachgewiesen seien.
Allerdings wäre die Regierung nicht für alles verantwortlich. Viele Bürokratismen seien etwa über Berufsverbände eingeführt worden. Auch gäbe es Gespräche mit der Europäischen Kommission. Man müsse aufpassen, dass die deutschen Anstrengungen nicht von Brüssel unterlaufen würden. Das stimmt sicher, aber auch nicht, wie eine EU nahe Person im privaten Gespräch am folgenden Tag feststellte. Die EU würde für viel verantwortlich gemacht, allerdings habe niemand von dort Deutschland gesagt wie Richtlinien umzusetzen seien. Vieles, das in Deutschland sehr komplex geregelt ist, sei in anderen Ländern viel einfacher angegangen worden. Die Verantwortung für die ausufernde Bürokratie ist nicht eindeutig auf einer Seite zu verorten, was eine Lösung sicher nicht einfacher macht.
Unter dem Strich lässt sich feststellen, dass der Ludwig-Erhard-Gipfel in diesem Jahr wieder wichtige Impulse setzen konnte. Ob das auch im kommenden Jahr wieder so sein wird, ist nach der persönlichen Einschätzung eines Vertreters eines Sponsors keine ausgemachte Sache. Die Tumulte im Vorfeld des Gipfels seien zu einem Zeitpunkt gekommen, wo viele Sponsoren die Verträge bereits unterzeichnet gehabt hätten. Ob sie auch im kommenden Jahr wieder dabei seien, müsse sich erst noch zeigen. Das wird sicher auch davon abhängen, ob die Unterstützung aus dem Regierungslager wieder einsetzen wird. Der Verlauf des Gipfels jedenfalls gibt Anlass zur Hoffnung, denn wie hörte man an diesen Tagen immer wieder? „Der Gipfel ist wichtig!“ -db-
