Blockchain Enthusiasten behaupten das. So hat sich etwa die sogenannte „Blockchain Circular Economy“, also eine Blockchain basierte Kreislaufwirtschaft, zu einem vielzitierten Schlagwort entwickelt. Im Grund nutzt man die Token, um Materialien über ihre gesamte Lebensdauer hinweg zu verfolgen, um möglichst viel davon möglichst wiederholt im Recyclingprozess zu halten. Das hört sich kompliziert an. Ich befürchte in vielen Fällen wird dieser Aufwand keinen Sinn machen. In anderen aber, bei großen Materialmengen im Produktkreislauf, da kann das schon ganz anders aussehen. Ich gehöre keinesfalls zu denen, die die Blockchain Circular Economy pauschal des Green Washings (im Deutschen kann vielleicht vom „oberflächlich grün anstreichen“ sprechen) beschuldigen.

Davon gibt es aber eine Menge. Jeder möchte heute „grün“ erscheinen, um seine Produkte besser zu verkaufen. In vielen Fällen ist es leider nur ein oberflächlicher Anstrich. Blockchain soll von seinem Stigma befreit werden, ein Energieverschwender zu sein. Besonders Bitcoins, verbrauchen auf Grund ihrer auf Sicherheit optimierten Architektur eine große Menge Strom. In anderen Anwendungen sieht das schon ganz anders aus. Und auch das ist stark davon abhängig, wie die Anwendung genutzt wird. Wenn ich ein Unternehmen kaufen will und vorher die Bücher auf Herz und Nieren prüfen lasse, dann kann ich das zukünftig vielleicht mit einer Blockchain basierten Künstlichen Intelligenz. Ich spare mir eine Menge an Zeit, ein Heer an Anwälten, das nicht immer wieder bei dem Prüfling, oftmals am anderen Ende der Welt, einfallen muss. Es spart viele Geschäftsreisen, und neben Kosten damit auch eine Menge an CO2, deutlich mehr als die Programmierung und der Einsatz der Software verbraucht. Wenn ich diese Software aber permanent im eigenen Unternehmen nutze, um etwa durchgängig die eigene Buchhaltung zu kontrollieren, da kann sich die Bilanz sehr leicht umkehren.

Es gibt ohne Frage eine ganze Reihe von Anwendungen, in denen die Blockchain Technologie eingesetzt werden kann, um den Planeten nachhaltiger zu machen. Beispielsweise können so Umweltprojekte einfacher organisiert oder kontrolliert, oder sogar miteinander vernetzt werden, und auch bei der Finanzierung bietet sich der eine oder andere interessante Ansatz. Die Technologie ist neutral und kann für alles eingesetzt werden, egal ob gut oder böse. Das ist bei jeder Technologie so. Allerdings hat die Blockchain Technologie ein immenses Potential, entweder um Prozesse für uns transparenter zu machen, oder aber uns selbst. Dann wären wir durchgängig kontrollierbarer. Darin steckt eine enorme Gefahr. Lasst uns also sicherstellen, dass wir sie nutzen, um unseren Planeten in einen besseren und nachhaltigen Ort zu verwandeln – ohne „Green Washing“!

Von Kollegiumsmitglied Dieter Brockmeyer, Director Innovation and TIME des Diplomatic World Institute, Brüssel

Zum Foto: Die Welt in unseren Händen – Auftrag und Risiko (Foto: www.pixabay.com)

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